Jan Wiedenroth Jan Wiedenroth Author
Title: Celle - Rathsmühle Celle
Author: Jan Wiedenroth
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Baujahr
1378, heutiges Gebäude 1899/1945

Gebäudetyp
Wassermühle/Industriemühle

Mühlenart
Getreidemühle

Betriebszustand
2009 den gewerblichen Betrieb eingestellt, Einrichtung ausgebaut

Heutige Nutzung
Wasserkraftwerk, Mühlengebäude leerstehend, Getreidesilo in Weiternutzung




Als im Jahre 1378 die Residenz des Fürstentums von Lüneburg nach Celle verlegt wurde, baute man nicht nur das Schloss und die Befestigungsanlagen der Stadt aus, sondern errichtete gleichzeitig an der Aller eine Getreidemühle, um die Versorgung der Bevölkerung der Stadt sicherzustellen. Die Konzession hierfür erhielten die beiden Celler Bürger Heinecke Hunger und Hennecke Fische.

Als im Jahre 1388 die Mühle mit einem Kostenaufwand von 150 Mark Lüneburger Pfennige repariert werden musste, wobei unklar war ob die Schäden an der Mühle durch kriegerische Auseinandersetzungen oder durch ein Hochwasser der Aller entstanden sind, übernahm die Stadt die Kosten da die Kassen der Herzöge leer waren.
Daraufhin wurden der Stadt am 6. Januar 1389 von den Herzögen Bernhard und Heinrich von Braunschweig-Lüneburg alle Rechte der beiden Vorbesitzer übertragen. Von nun an war die Mühle fast vier Jahrhunderte lang städtisch und wurde zur Rathsmühle.

1547 wurde die Mühle abgerissen, da sie den Erweiterungen der Stadtbefestigung im Wege stand und anschließend neu erbaut.
Die Rathsmühle wurde weiter ausgebaut und erhielt im Jahre 1592 ein viertes und 1736 ein fünftes Mahlwerk.
Im laufe der Zeit wurden der Getreidemühle eine Bakemühle (1559), eine Loh- und Grützemühle (1661), eine Graupenmühle (1679), eine Ölmühle (1697) und eine Tabakmühle (1700) angegliedert.

Von 1720 an verpachtete die Stadt die Mühle für 920 Reichstaler. Am 16. August 1784 ging die Mühle mit der dazugehörenden Loh- und Walkmühle und allen Wasserwerken an die kurfürstliche Kammer (dem heutigen Land Niedersachsen), da die Erhaltungsaufwendungen von der Stadt nicht mehr getragen werden konnten.
1834 wurde die alte Mühle abgerissen und neu erbaut.

Am 1. Mai 1854 pachtete der Müller Wilhelm Krüger die Rathsmühle, die zu der Zeit mit 5 Wasserrädern von 14 bis 18 Fuß Durchmesser arbeitete, von denen jedes einen Mahl- bzw. Schrotgang antrieb. Die Leistung der Mühle betrug 200 Himten/24 h.
Mit der Getreidemühle war noch eine Lohmühle verbunden, die aber besonders verpachtet war und erst 1865 mit in die Pacht von Wilhelm Krüger genommen wurde.

1860 wurde der Schwiegersohn von Wilhelm Krüger, Julius Karl Töpfer als Mitpächter aufgenommen, der 1868 dann Alleinpächter wurde. Zwei Jahre später wurde die Herrenmühle dazu gepachtet.
1882 wurden die Wasserräder der Rathsmühle durch eine 200 PS-Turbine ersetzt.

1898 musste das Mühlengebäude einem Neubau weichen. Nun begann für die Mühle eine neue industrielle Zeit. Es wurde ein vierstöckiges Industriegebäude, mit darin damals hochmoderner enthaltener Mühlentechnik gebaut.
1910 dann wurde auf dem anderen Allerufer ein anfänglich 4000 Tonnen fassendes Getreidesilo errichtet. Nun war es möglich auch Getreide aus Übersee per Schiff oder über den eigenen Gleisanschluss einzulagern.
Inzwischen führten die beiden Söhne Julius und Richard Töpfer den Betrieb weiter, sie starben beide im Jahr 1919. Die Erben führten den Betrieb zunächst weiter, der 1924 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurde.

Die neue Rathsmühle 1899. Foto: AGK-Mühlenbau Braunschweig

1928 erwarb der Mühlenkonzern Kurt Kampffmeyer die Aktienmehrheit und wandelte den Betrieb in Rathsmühle Celle, Kurt Kampffmeyer um.
In der Nacht vom 6. zum 7. Juni 1945 brach auf dem Sichterboden ein Feuer aus, das den oberen Gebäudeteil der Rathsmühle vernichtete. Nun wurde die Mühle als fünfstöckiges Gebäude mit hoch aufragendem Walmdach erweitert und der rote Backsteinbau wurde mit einem gelben Putz versehen.
Nach dem Neubau waren 33 Walzenstühle in Betrieb, davon 21 für die Produktion von Weizen- und 12 für Roggenmehl.
Angetrieben wurden die Walzenstühle aus der Energie von drei insgesamt 750 PS starken Turbinen. Täglich wurden so 130 Tonnen Mehl hergestellt.

Der Neubau nach dem Brand 1945. Foto: Miag Braunschweig

Die Firma Kurt Kampffmeyer in den 1950er Jahren.

In den 50iger Jahren wurde an der Westseite der Mühle ein riesiges Mehlsilo mit darin enthaltener Absackung und Kleinpackungsabfüllanlage gebaut. Ab nun konnte das Mehl auch lose im Silolastwagen verladen werden und vor Ort bei den Kunden mit Druckluft in die Silos geblasen werden.

Das neu errichtete Mehlsilo mit Absackung, Kleinpackung-Abfüllung, Lager und Lose-Mehlverladung. Foto: Miag Braunschweig

Auf dem Mehlsiloboden. Foto: Miag Braunschweig

Mehlmischanlage. Foto: Miag Braunschweig

Die Pneumatische Austragung der Mehlzellen. Foto: Miag Braunschweig

Die moderne Mehlsilosteuerung in den 50iger Jahren. Foto: Miag Braunschweig

Ein Silolastwagen bei der Mehlverladung. Foto: Miag Braunschweig

Als der Schwedische Knäckebrothersteller Wasa in den 1960iger Jahren eine Knäckebrotfabrik in Celle-Vorwerk in Betrieb nahm, wurde die Mühle 1966 von ihr übernommen und jeden Tag 300 Tonnen Mehl für das Knäckebrot selbst produziert.
Da am Wasawerk ein großes Mehlsilo gebaut wurde, benötigte man das Mehlsilo der Rathsmühle nicht welches noch bis in den 80iger Jahren von der Wesermühle Hameln, die ebenfals dem Kampffmeyer-Konzern angehörte, als Mehlzwischenlager genutzt wurde.

Mit dem Bau einer neuen Mühle direkt an der Vorwerker Knäckebrotfabrik wurde die Rathsmühle im Juli 2009 stillgelegt.
Nach dem Rückkauf der Rathsmühle von der Stadt Celle wurde von 2012 bis 2013 die Wasserkraftanlage komplett erneuert und erziehlt mit der Stromgewinnung gute Einnahmen in die Stadtkasse.
Das Getreidesilo auf der anderen Allerseite mit einem Fassungsvermögen von 10.000 Tonnen, wird von der Wasa zur Einlagerung von Getreide für die neue Mühle weiter genutzt.

Mit der Stilllegung der Rathsmühle 2009 ging leider auch die noch zu einem großen Teil, historische Einrichtung verloren. Die Rathsmühle war bis ihrer Stilllegung noch einer der wenigen Industriemühlen die zum Teil noch mit historischer Technik, die bis in die 1920er Jahre zurück ging arbeitete.

Die Unterwasserseite der Mühle mit Übergang über die Aller vom Getreidesilo zur Mühle.

Das Getreidesilo am Schützenplatz auf der anderen Allerseite.

Neben den Walzenstühlen von Baumgarten (rechts im Bild), arbeitete die Rathsmühle mit den Modellen GN (links im Bild) und HN von Miag.

Baumgarten-Stühle

Hinten: Miag Schubladensichter, Vorne: Bühler MTRA-Sichter.

Rohrboden

Geschrieben von: Jan Wiedenroth

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